Die Kindheit und Jugend ist im Poesiealbum festgehalten

In einem Poesiealbum zu blättern, ist auch im hohen Alter noch schön. Es erinnert an die Menschen, die ein Stück des Weges der Kindheit und Jugend mitgegangen sind. Poesiealben sind eigentlich die Nachfahren des sogenannten Stammbuches aus dem 18. Jahrhundert, in das sich Freunde entweder mit einem Spruch oder einem Wappen verewigten. Im 19. Jahrhundert waren es meist Erwachsene, von denen einige auch Mitglied in einem literarischen Zirkel waren, die in kleinen Heften Verse, Beiträge u. a. schrieben.

Das Poesiealbum, wie wir es heute kennen, kam etwa 1950 in Mode und wurde offiziell Freundschaftsbuch genannt. Doch die Jugend von damals sah das anders und so gab sie dem Poesiealbum seinen Namen. Das übliche Poesiealbum war quadratisch und oft verschließbar. Freunde trugen sich auf den Seiten mit einem Spruch ein, der sich bis heute kaum verändert hat. So ist der Vers von Johann Wolfgang von Goethe "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" in jedem Poesiealbum mindestens einmal zu finden – oft mehrmals. Neben dem Spruch und dem Namen wurden Bildchen geklebt, in den Anfangsjahren oft auch Scherenschnitte.

Klar war von vornherein, dass das Poesiealbum eine reine Mädchenangelegenheit war. Zwar versuchten die Jungs Anfang der 1980er Jahre auch das Poesiealbum zu benutzen – doch das war ein kurzer Trend, der sich bald wieder verlief. Das Poesiealbum hat sich bis heute gehalten. Meist wurde es begonnen, wenn das Mädchen etwa zehn Jahre alt war bzw. heute schon oft in jüngeren Jahren. Auch haben sich die Einträge verändert und so beinhalten die Seiten des Albums in dieser Zeit auch die Lieblingssongs, Hobbys und Fotos der Freunde.